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Heinz-Wilhelm Quentmeier

"Ich wollte nicht vom Langenberg weg!"

Als bekannt wurde, dass Herr Quentmeier ein Appartement im Stift zu Wüsten bekommt, war von vielen Seiten zu hören: „Das ist aber schön, da freuen wir uns.“ Es ist eben kein alltägliches Ereignis, dass ein ehemaliger Bürgermeister, ein Mann von so hohem Bekanntheitsgrad, in unsere Einrichtung zieht. Viele Bewohner erinnern sich gern an Begegnungen mit ihm, an seine besinnlichen oder launigen Reden zu Weihnachten oder anderen Feiern, oder an persönliche Begegnungen und Gespräche. In der Zeit von 1982 bis 1999, als er Bürgermeister von Bad Salzuflen war, gab es viele Gelegenheiten mit ihm zusammen zu treffen. Ab und zu wird er sogar heute noch mit „Herr Bürgermeister“ angeredet. Nun bewohnt er im Stift ein helles freundliches Appartement. „Ich kann von hier aus sogar den Langenberg sehen. Ich wollte auch nicht vom Langenberg weg“, ein gar nicht so erstaunlicher Ausspruch von ihm wenn man weiß, dass er über die Hälfte seines Lebens schon in Wüsten wohnt.


Geboren ist Heinz-Wilhelm Quentmeier in Detmold. Durch den Krieg hat es seine Eltern nach Herford verschlagen. Hier ist er auch zur Schule gegangen. Bis zur Unterprima besuchte er das Ravensberger Gymnasium, kam dann nach Wiesbaden, wo er „ohne Verzögerung“, wie er es ausdrückte, das Abitur machte.

Sein Studium führte ihn nach Frankfurt und London mit einem Abstecher nach Göttingen, wo er seine spätere Frau Helga wiedertraf, die dort zur Krankengymnastin ausgebildet wurde.

Nach Beendigung des Studiums kehrte er nach Herford zurück und heiratete. Getraut wurde das Paar in der Jacobi-Kirche in Herford, in der schon Helga Quentmeier getauft und Heinz-Wilhelm Quentmeier konfirmiert wurden. Beide lebten zunächst in Herford im Hause des Schwiegervaters.

Seine erste Anstellung bekam Heinz-Wilhelm Quentmeier am Cäcilien-Gymnasium in Bielefeld. Bevor er später an das Gymnasium Aspe in Bad Salzuflen kam, gab es eine Zwischenstation an der Herforder Königin Mathilde-Schule, damals ein reines Mädchengymnasium. „Ich hatte dort sehr nette Kollegen und es gefiel mir gut, trotzdem entschloss ich mich nach Aspe zu wechseln. Diesen Entschluss habe ich nie bereut. 25 Jahre war ich dort als Oberstudiendirektor Leiter des Gymnasiums. Es war eine schöne und gute Zeit, mit einer sehr kollegialen Unterstützung, vor allem auch meines Stellvertreters, der mich während meiner Amtszeit als Bürgermeister öfter vertreten musste. Offizielle Pflichten musste ich natürlich auch während der Schulzeiten wahr nehmen. Als ich dann nach 25 Jahren in den Ruhestand ging, bereiteten mir meine Schüler eine fulminante Abschiedsfeier. Ich erinnere mich sehr gern daran.

1969 stand der Umzug nach Wüsten an. Hier am Langenberg wuchsen auch seine beiden Kinder auf. Seine Tochter hat ihm nun schon zwei reizende Enkelkinder geschenkt, an denen hat er viel Freude. Beide lieben ihren Opa sehr und kommen ihn gern besuchen.

Als Heinz-Wilhelm Quentmeier nach Wüsten kam war ihm klar, dass er Kontakte zu den Wüstener Bürgern knüpfen wollte und musste um sich hier wohl und heimisch zu fühlen. Am besten dafür geeignet schien ihm der hiesige Sportverein. Die Idee war ausgezeichnet. Er wurde sehr gut aufgenommen und kurze Zeit später wählte man ihn schon zum Vorsitzenden. Dieses Amt bekleidete er 10 Jahre lang, legte es aber ab, nachdem er im Rat der Stadt Bad Salzuflen zum Bürgermeister gewählt wurde.

Vielseitig und interessant waren seine Aufgaben und zeitaufwendig. Ohne das Verständnis und die Unterstützung seiner Frau Helga hätte er diese Zeit auch nicht so gut bewältigen können. Viele Erinnerungen bleiben gerade von diesem Abschnitt seines Lebens, schöne und fröhliche, aber auch schwere und traurige Erlebnisse. Ganz erschüttert war er bei seinem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, fassungslos über die entsetzlichen Dinge die Menschen anderen Menschen antun können. Jetzt trafen sich hier Menschen die entschlossen waren, an diesem Ort eine Jugendbegegnungsstätte zu bauen, die „Jugendbegegnungsstätte Auschwitz“, die zur Völkerverständigung dienen soll und als Mahnmal, dass so etwas Schreckliches nicht mehr passieren kann. Auch Heinz-Wilhelm Quentmeier engagierte sich in dem dafür zuständigen Gremium und erlebte, wie diese Begegnungsstätte nach und nach aufgebaut wurde. Als Vorsitzender dieses Gremiums traf er sich des öfteren in Berlin mit kompetenten Menschen, die an diesem Projekt sehr interessiert waren und es nach Kräften unterstützten. Hierbei sind ihm besonders die Begegnungen mit Johannes Rau und auch Gerhard Schröder nachhaltig in Erinnerung.

Als er 1999 auch als Bürgermeister in den Ruhestand ging, freute er sich auf die Zeit, die er jetzt mit seiner Frau und seiner Familie verbringen könne. Leider war ihm dafür nicht viel Zeit vergönnt. Als seine Frau im April 2005 starb, war das ein schwerer Schlag für ihn und viele, die Helga Quentmeier in ihrer liebenswerten Art gekannt haben, trauerten mit ihm.

Nach und nach freundete sich Heinz-Wilhelm Quentmeier mit dem Gedanken an, in das Stift zu ziehen. Hier geht er seit Jahren ein und aus, kennt viele Bewohner und Mitarbeiter, ist kein Fremder. Seit dem Frühjahr 2006 wohnt er nun hier und fühlt sich sichtlich wohl. Einen großen Teil seiner Bücher an denen er hängt konnte er mit nehmen, auch Bilder_2 und Teile seiner Möbel die er nicht missen wollte. Inzwischen macht er auch wieder Pläne. Für Interessierte möchte er demnächst in Abständen Lyrikstunden anbieten und zwei Wünsche will er noch realisieren: „Vier Jahre war ich nicht an der Nordsee, das fehlt mir so. Ich möchte unbedingt noch einmal wieder nach Borkum. Und dann möchte ich noch einmal den Spuren Annette von Droste-Hülshoffs folgen, die ich sehr verehre.“

Wir wünschen ihm sehr, dass sich diese Wünsche realisieren lassen und wünschen ihm weiter eine gute und zufriedene Zeit im Stift zu Wüsten.


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